Fragen an einen Hochzeitsfotografen
First Look oder Altar? Warum der „erste Blick“ vor der Trauung eure Nerven (und Bilder) rettet
Aktualisiert:
Es ist die Filmszene schlechthin: Die großen Kirchentüren öffnen sich, die Orgel spielt, alle Gäste erheben sich. Der Bräutigam steht vorne am Altar, dreht sich um und sieht seine Braut zum allerersten Mal. Tränen fließen. Schnitt.
Jahrzehntelang war das der Standard. Doch in den letzten Jahren entscheiden sich immer mehr meiner Paare für einen anderen Weg: Den „First Look“.
Dabei seht ihr euch schon vor der Trauung, ganz privat und ohne Publikum. Ist das ein Bruch mit der Tradition? Vielleicht. Aber aus meiner Sicht als Hochzeitsfotograf ist es oft die beste Entscheidung, die ihr für euren Zeitplan, eure Nerven und die Qualität eurer Bilder treffen könnt.
In diesem Artikel verrate ich euch, warum der First Look oft für die emotionaleren Bilder sorgt – und warum der Moment am Altar fotografisch manchmal seine Tücken hat.
Inhaltsangabe:
Auf einen Blick: Was ist ein First Look?
Für die Eiligen – das müsst ihr wissen:
- Definition: Ein inszeniertes, privates Treffen des Brautpaares vor der Zeremonie, bei dem sie sich zum ersten Mal in Hochzeitskleidung sehen.
- Zeitpunkt: Meist ein bis drei Stunden vor der Trauung.
- Ein großer Vorteil: Ihr könnt das Paarshooting vorziehen. Das bedeutet: Nach der Trauung müsst ihr eure Gäste nicht für Fotos verlassen, sondern könnt direkt mitfeiern.
- Foto-Sicherheit: Im Gegensatz zur Kirche (schlechtes Licht, Personen im Weg) haben wir beim First Look perfekte Bedingungen eure Reaktionen einzufangen.
- Emotionen: Ihr könnt miteinander reden, euch umarmen und weinen, ohne dass 100 Gäste zuschauen.

Der emotionale Unterschied: Intimität vs. Publikum
Warum kann der Moment am Altar sich stressig anfühlen? Weil ihr performen müsst. Ihr steht im Mittelpunkt, der Pfarrer wartet, die Musik läuft. Wenn ihr euch dort seht, könnt ihr euch nicht in den Arm nehmen, euch nicht sagen: „Wow, du siehst unfassbar aus!“ und ihr könnt euch nicht küssen (das kommt erst später).
Beim First Look gehört der Moment zu 100% euch.
Ich suche für euch einen ruhigen, geschützten Ort aus. Vielleicht eine Lichtung in der Nähe der Location, eine ruhige Ecke im Schloß Nymphenburg oder einen schönen Innenhof. Ich platziere den Bräutigam mit dem Rücken zur Braut. Sie kommt an, tippt ihm auf die Schulter... und dann dreht er sich um.
Ihr könnt schreien, lachen, weinen, euch drehen und euch gegenseitig bewundern. Niemand stört euch. Diese Bilder sind manchmal die ehrlichsten und berührendsten der ganzen Reportage, weil der Druck weg ist.
3 Gründe, warum der First Look euren Tag rettet
Abgesehen von der Romantik gibt es knallharte logistische Gründe, die dafür sprechen.
Ihr verpasst euren eigenen Sektempfang nicht
Der Klassiker: Nach der Kirche gibt es Gratulationen und Sekt. Aber genau dann verschwindet das Brautpaar für eine Stunde zum Fotoshooting. Die Gäste warten, ihr habt Stress. Wenn wir die Bilder beim First Look (vor der Trauung) machen, seid ihr nach dem Ja-Wort sofort für eure Gäste da. Ihr könnt entspannt anstoßen, snacken und müsst nirgendwo mehr hinrennen.
Make-up und Haare sind noch perfekt
Hand aufs Herz: Vor der Trauung sitzt das Styling am besten. Nach Freudentränen, 100 Umarmungen und 30 Grad im Schatten sieht man später vielleicht etwas „gelebter“ aus. Beim First Look seid ihr frisch und strahlt, perfekt für die Portraits.
Die Lösung gegen Lampenfieber
Viele Paare sind vor der Trauung extrem nervös. Wenn ihr euch aber vorher schon gesehen und in den Arm genommen habt, fällt die größte Anspannung ab. Ihr geht dann nicht als nervöse Einzelkämpfer zum Altar, sondern als Team. Das Schreiten durch den Gang wird dadurch nicht weniger feierlich. Ihr könnt es sogar mehr genießen, weil das Herz nicht mehr bis zum Hals schlägt.
Der Realitäts-Check: Warum Kirchen-Fotos oft Tücken haben
Vorstellung vom perfekten Foto: Der Bräutigam am Altar, die Braut läuft auf ihn zu, während eine Träne über die Wange läuft. Die Realität in vielen Kirchen macht dieses Foto aber oft schwierig. Warum?
- Sicht-Blockaden: Je nach Ablauf schreitet die Braut nicht allein oder nur mit ihrem Papa Richtung Altar. Oft läuft der Pfarrer voraus, teilweise auch mit Ministranten, und verdeckt dadurch die freie Sicht für Fotos auf die Braut.
Oder Onkel Norbert lehnt sich mit seinem großen iPad in den Gang, um selbst ein paar Fotos zu machen. - Schwieriges Licht: Kirchen sind oft recht dunkel oder haben schwieriges Mischlicht (Tageslicht durch Fenster und unterschiedliche LED-Lichtquellen). Beim Einzug kommt helles Gegenlicht durch die offene Tür, während das Innere der Kirche relativ dunkel ist. Das macht es schwer, Gesichter brillant und strahlend einzufangen.
Beim First Look haben wir diese Probleme nicht. Ich habe die volle Kontrolle über das Licht, niemand läuft durchs Bild, und ich kann euch aus der perfekten Perspektive fotografieren. Wenn euch die Fotos von eurer ersten Reaktion extrem wichtig sind, ist der First Look die „sichere Bank“.
Aber nimmt das nicht die Magie vom Einzug in die Kirche?
Das ist die größte Sorge der meisten Paare. Aus Erfahrung kann ich sagen: Nein.
Der Moment, wenn die Musik in der Kirche beginnt und die Türen aufgehen, ist eine ganz andere Art von Magie. Hier geht es um das offizielle Bekenntnis vor all euren Liebsten. Auch wenn der Bräutigam das Kleid schon kennt: Der Moment, in dem seine Frau auf ihn zuschreitet, um „Ja“ zu sagen, bleibt Gänsehaut pur. Oft ist die Reaktion am Altar sogar entspannter und glücklicher, weil der erste „Schock“ der Emotionen schon verarbeitet ist.
Fazit: Eure Hochzeit, eure Regeln
Ob ihr euch für die Tradition am Altar oder den intimen First Look entscheidet, liegt natürlich ganz bei euch. Beides hat seinen Reiz.
Wenn ihr aber mehr Zeit mit euren Gästen verbringen wollt und garantiert perfekte Bilder von eurer ersten Begegnung möchtet (ohne Pfarrer und Onkel Norbert im Bild), dann ist der First Look mein heißer Tipp für euch.
Seid ihr unsicher, wie das in euren Zeitplan passt? Schreibt mir einfach! Ich helfe euch gerne dabei, den Ablauf so zu stricken, dass er für euch perfekt funktioniert.
Häufige Fragen zum First Look (FAQ)
Wo machen wir den First Look?
Ich suche vorab eine Location, die ruhig und schön ist und im besten Fall Schatten bietet (für weiches Licht). Das kann ein Garten der Location sein, ein ruhiger Parkweg oder sogar ein schönes Hotelzimmer. Wichtig ist: Wir brauchen Privatsphäre.
Wie viel Zeit sollten wir einplanen?
Plant ca. 10–15 Minuten für den eigentlichen „Moment“ (Ankommen, Umdrehen, Staunen) und direkt im Anschluss ca. 20–45 Minuten für das Paarshooting ein. Insgesamt also etwa eine Stunde.
Müssen wir am Abend dann gar keine Fotos mehr machen?
Müssen nicht, aber können! Ich empfehle trotzdem immer, kurz vor Sonnenuntergang (Golden Hour) noch einmal für 10-15 Minuten Bilder zu machen. Das Licht ist dann ganz anders als mittags, das gibt nochmal einen ganz anderen Look. Aber der Druck ist weg, weil wir die „Pflichtbilder“ schon im Kasten haben.
Retuschierst du Hautunreinheiten?
Ja. Bei den Nahaufnahmen (Porträts) entferne ich temporäre Hautunreinheiten (Pickelchen, die vor Aufregung gekommen sind). Muttermale oder Narben, die zu euch gehören, lasse ich natürlich, es sei denn, ihr wünscht es anders. Ihr sollt ja immer noch wie ihr aussehen – nur an einem sehr guten Tag.
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Erstveröffentlichung: 29. Dezember 2025 · Letzte Aktualisierung: 22. Januar 2026
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